Theley - Ein alter Name
Das Alter der Besiedlung eines Dorfes wie Theley ist schwierig zu bestimmen. Doch ist auch hier in den letzten Jahren viel Bewegung in die Deutung des Namens und damit in die Zeit der ersten Niederlassungen hineingekommen.Josef Bongartz meinte in seiner Dissertation von 1937/38 1) für die nachrömische Zeit Theleys:"....Denkbar wäre auch eine Ansiedlung in fränkischer Zeit, etwa zu Beginn des 7. Jahrhunderts. Er schildert die Begebenheiten um das Testament des Adelgisel Grimo von 634 n. Chr. und schreibt weiter:".....Unter Berücksichtigung der Beschaffenheit des Geländes lässt sich die Ansicht vertreten, dass er nicht nur den nach Tholey gelegenen steilen Südhang besessen hat, sondern angrenzend an das Kastell, auch den für die Viehwirtschaft günstigeren Nordhang mit dem Theelbach, also das Gebiet des nachmaligen TheleyJohannes Engel, legt das Ergebnis seiner Nachforschungen im 1. Theleyer Heimatbuch so nieder:
Toila, Theoila, Thellen, Tholen, Theley, Thelej, Theley ist ein sehr alter Ort. Sein Name verbürgt es schon. Viel Kopfzerbrechen hat seine Deutung bis auf unsere Tage den Wissenschaftlern gemacht. Der Heimatforscher und Ehrenbürger unserer Stadt, Max Müller, will den Namen von dem lat. tilia - tilieletum (Linde) und Heinz Engels2) sieht das lat. tegula - Ziegel, teguletum - Ziegelei, Töpferei, als den Ausgangspunkt unseres Ortsnamens.Einer der besten Kenner der keltischen Zeit, Prof. Dr. Moreau, schreibt dazu: "Es ist der Versuch gemacht worden, den Namen Tholey vom lateinischen Wort "tegub" (Ziegel) abzuleiten. Bis heute ist aber keine Spur einer solchen Werkstätte gefunden worden, und auf der anderen Seite scheint diese Etymologie nicht stichhaltig zu sein. Ebenso wenig überzeugend ist der Versuch Holders, den Namen mit Lei (Fels) in Zusammenhang zu bringen. Vielmehr handelt es sich dabei, wie bei dem Ortsnamen Theley und dem FIussnamen Theel um die vorindogermanische Wurzel "tel": die in den romanischen Flussnamen Tholon (Frankreich) und thiele (Schweiz) wiederkehrt.)Kein Personenname kündet uns den Erbauer. Nur eine Lindenbaumgruppe (tilieletum), der über dem Dorf liegende Felsen (die Ley), unser Dorfbächlein Theel (tel) und eine nie in der Frühgeschichte vorhandene Ziegelei (teguletum) sollen zur Namensgebung beigetragen haben.Sei, wie es sei, der Name sagt auch nichts über das Alter des heutigen Ortes aus, wenn auch die Elemente seines Namens aus der Vorzeit stammen. 1235 bzw. 1200 tritt unser Dorf als ,,Curtis de Toila iuxta Toleiam" (Hof Theley bei Tholey) in die Geschichte ein.Jahrhunderte vorher hatte wahrscheinlich ein Vorfahr in den Jahren der Ausbauperiode seinen Hof im ,,Backes Ecken" im Unterdorf auf der Terrasse über dem Theelbach, an der heutigen Leitzweiler Straße, in der Nähe des immer fließenden ,,Kirchborn" gegründet. Die im Kataster genannte Flur ,,Theley" gibt wahrscheinlich auch den ältesten Ortsteil an. Die Eigenart der germanischen Siedler ihre Heimstätten an Quellen, in der Nähe der Felder und Weiden zu bauen, hatte schon Tacitus festgestellt, wenn er schreibt: ,,sie gründeten ihr Heimt; ut fons, ut campus, ut nemus placuit". Der Erbauer vonTheley gab ihm recht. Doch vor ihm hatten schon andere Menschen auf seiner Flur gesiedelt.
(Engel - Theley ... S. 92)Der gleiche Forscher überschrieb einige Jahre später eine Abhandlung aus Anlass der Einweihung der Theleyer Friedhofshalle mit dem sicher nicht großspurigen Titel:" 2000 Jahre Siedler auf Theleyer Flur".
Vielleicht führt der Name weiter; Namen sind bisweilen ein recht gut fassbarer Untergrund einer Landschaft und deren Zuordnung in einen bestimmten Raum. Namen gehen so meist in die Zeit der Besiedlung zurück.
Dem Gewässernamen als Ausgang für den Dorfnamen gehen die Forscher heute eher nach als einer Anleitung über lateinische Ähnlichkeiten von Namen.Der Gewässername in unserem Fall ist die Theel; im Jahre 1550 Thüel und 1791 Thel geschrieben. Theley liegt im Quellbereich dieser Theel. Etwa um 1200 als Toila iuxta Toleiam bezeichnet4) lässt schließen, dass der Gewässername auch der Siedlungsname war und heute ist. Toila auch mit dem Suffix ia oder ja leitet zum indogermanischen Toile zu tel-, tol "fließen lassen, harnen"; zum griechischen ?e?µa Pfütze, Sumpf, Schlamm und zum gallischen telon = Quelle. Man darf sich nun nicht an den Umwandlungen - besonders der Endungen auf ley - stoßen. Dies hat wohl etwas mit der Angleichung an Tholey zu tun.Die l350-Jahrfeier von Tholey im Jahre 1984 brachte uns auch für Theley einiges. Die Professoren Pfister und Haubrichs hatten sich Anfang der 80er Jahre in Saarbrücken mit der Anlegung eines Ortsnamenskorpus des Saarlandes und des deutschsprachigen Lothringens der vorgermanischen Ortsnamen angenommen.
Über Beiträge des aus diesem Anlass stattgefundenen "Saarbrücker Kolloquiums" von 1980 berichten Haubrichs/Ramge in einem Buch von 1983 unter dem Titel "0;Zwischen den Sprachen".
Dort finden wir u. a. einen Beitrag von "Vorgermanische Gewässernamen". 5) Zunächst ist festgehalten, dass zahlreiche Gewässernamen in unserem Gebiet vorromanisch sind und auf indogermanische, z.T. auf keltische Etyma (Sprachformen) zurückgeführt werden können. Unter anderem ist auch "Theel" als indogermanischer Name "tel" (später Thöel - 1550) mit der Bedeutung "fließen" genannt.Dieser Beitrag spricht unter den "Siedlungsgeschichtlichen Schlussfolgerungen" von einer galloromanischen Enklave am Südrand des Hunsrückvorlandes, zu dem u. a. auch Theley und Tholey zählen.
Mit freundlicher Genehmigung des Autors Toni Schäfer
Letzte Änderung: 24. November 2000
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