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Neue Zeitrechnung am Schaumberg


Letzte Generalversammlung der Theleyer Volksbank vor der Übernahme durch die Volksbank Obere Nahe

Von Volker Peter

Zum letzten Mal hieß es für die Mitglieder der Theleyer Volksbank, die Berichte von Vorstand und Aufsichtsrat entgegenzunehmen, sich ein Bild über Tätigkeit und Entwicklung der letzten eigenständigen Genossenschaftsbank am Schaumberg zu machen. Denn die Theleyer Volksbank wird, sobald alle Formalitäten abgewickelt sind, nach einer über 100-jährigen Erfolgsgeschichte (siehe unten) rückwirkend zum ersten Januar 2001 mit der Volksbank Obere Nahe verschmelzen - genaugenommen von der Volksbank Obere Nahe übernommen.

Der Beschluss zu dieser Verschmelzung war bereits in der Generalversammlung der Theleyer Volksbank vom letzten Jahr gefasst worden. Das Interesse unter der Mitgliederschaft war in diesem Jahr verhalten, 76 der insgesamt über 1600 Genossenschafts-Mitglieder waren der Einladung von Aufsichtsrat und Vorstand in das Theleyer Pfarrheim gefolgt, alle Mitarbeiter der Bank waren da und mit dabei als Gäste Vertreter der Verbundunternehmen. So begrüßte Herbert Hemmer, Aufsichtsratsvorsitzender der Theleyer Volksbank, eine stattliche Versammlung. Vorstandsmitglied Norbert Bartel konnte ein positives Resumez ziehen: Die Bilanzsumme konnte wieder gesteigert werden, fast zwei Millionen Mark mehr sind nun unterm Strich zu finden. Allerdings fiel der Bilanzgewinn des traditionsreichen Kreditinstituts im letzten Jahr etwas geringer aus, etwa 5000 Mark weniger Gewinn sind eingefahren worden. Bartel: "Mit der Entwicklung unserer Volksbank können wir zufrieden sein." So habe vor allem eine verstärkte Neigung zur Geldanlage am Wertpapiermarkt zu einem enormen Anstieg an Kundendepots geführt, im Durchschnitt halte jeder Kunde Wertpapiere zum Kurswert von 21000 Mark. Im Kreditgeschäft hatten dauerhaft niedrige Zinsen zu einer, so betonte Bartel, "überdurchschnittlichen Steigerung" der langfristigen Kredite geführt, Geld das vornehmlich für Investitionsvorhaben und den Wohnungsbau verwendet wurde.

So schließt Vorstandsmitglied Norbert Bartel sein letztes Geschäftsjahr mit der Theleyer Volksbank mit insgesamt guten Erfolgen ab. "Bitte schenken sie uns in Zukunft auch unter der neuen Firmierung ihr Vertrauen." Für den Aufsichtsrat legte Herbert Hemmer Rechenschaft ab. In einem kurzen Bericht bestätigte Hemmer die Ausführungen des Vorstandes. So habe der Aufsichtsrat die Berichte des Vorstandes geprüft und in Ordnung befunden. "Der Vorstand informierte den Aufsichtsrat in regelmäßig stattfindenden Sitzungen über die Geschäftsentwicklung, die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie über besondere Ereignisse."

Alles zusammen wurde dann noch vom Verbandsprüfer des Saarländischen Genossenschaftsverbandes, Andreas Pfau, zusammengefasst: "Der Ergebnisbericht und der Lagebericht der Theleyer Volksbank wurden mit dem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen." So informiert erteilten die Mitglieder der Theleyer Volksbank Vorstand und Aufsichtrat einstimmig Entlastung.

Auch die Nachwahlen zum Aufsichtsrat der Volksbank waren schnell durchgeführt, Herbert Hemmer und Paul Scherer mussten turnusmäßig ausscheiden, durften aber wiedergewählt werden. Erwartungsgemäß wählte die Versammlung beide anschließend einstimmig wieder in ihre Positionen zurück.

Es begann im Hinterzimmer

Kreditgenossenschaft am Schaumberg schon 1897 gegründet

Wenn ein Theleyer in den letzten Jahren noch "ôff die Kass" musste, war damit nicht irgendeine beliebige Bankfiliale gemeint. "Die Kass" - das war ein fester Begriff, eine Institution in dem Schaumbergdorf und meinte nichts anderes als die Theleyer Volksbank.

"Auf Grund des Reichsgesetzes für die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften vom 11. Mai 1889 bildete sich heute durch Unterzeichnung des Status der Theleyer Spar- und Darlehenskassen-Verein, eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht", verkündet das Protokoll der Gründungsversammlung vom 10. Januar 1897. Die Unterlagen, die über die Gründung berichten sind noch vollständig und gut leserlich in den Archiven der Theleyer Volksbank abgelegt, so dass ein Blick in das vorletzte Jahrhundert nicht schwer fällt.

Die erste "Geschäftsstelle" hatte man im Hause des Rechners Johann Dewes eröffnet. "Das kleinste Zimmer war Schalterhalle, Buchhaltung, Anlageberatung und Kreditabteilung, während die danebenliegende gute Stube als Wartezimmer diente", berichtet die Chronik. Die Kassengeschäfte wurden Sonntags nach dem Hochamt erledigt und nachmittags ging es dann weiter. Zum Kassengeschäft kamen Dienstleistungen wie der gemeinsame Bezug von Kunstdünger, Saatgut, Futtermitteln und Kohlen. Eine Dreschmaschine wurde im "Maschineschopp" für die Mitglieder bereitgestellt und bewirtschaftet.

Doch das Kreditgeschäft nahm immer stärkere Ausmaße an. Auch 45 Jahre nach der Gründung wurden die Kassengeschäfte immer noch im Hause Dewes abgewickelt, die Familie musste das nächstgrößere Zimmer zur Verfügung stellen bis letztendlich die "gute Stube" selbst zu Kassenraum umfunktioniert werden musste. 65 Jahre waren die Geschäfte im Haus Dewes in der Querstraße 1 in Theley abgewickelt worden, der Platz wurde knapp. Man schaute sich nach neuen Räumen um.

In direkter Nachbarschaft, im Hause Reiter, Querstraße 3 wurde man fündig. So konnte 1962 die Bank, die mittlerweile Raiffeisenkasse Theley hieß, in die neue Geschäftsstelle umziehen. Knapp 20 Jahre später war auch dieses Gebäude wiederum zu klein, so dass ein Bauernhaus in der Primstalstraße direkt gegenüber der Kirche gekauft und den Bedürfnissen des Kreditinstituts angepasst wurde.

Im Jahre 1974 schlossen sich die Raiffeisenkassen Scheuern und Theley zusammen und bildeten damit ein schlagkräftiges Kreditinstitut mit einer Bilanzsumme von damals beachtlichen zwölf Millionen Mark. Die Warenwirtschaft hatte immer mehr abgenommen, das reine Bankgeschäft blieb. Also beschloss die Generalversammlung 1975 die Umbenennung in Theleyer Volksbank.

Die Namen derer, die sich in der ersten Urkunde bereits für die neugegründete Bank verbürgten, sind auch heute noch eng mit dem Wohl der Theleyer Volksbank verbunden. So wird der Name Dewes nicht nur in Theley, sondern im gesamten St. Wendeler Land mit den Genossenschaftsbanken in Verbindung gebracht. Beim ersten Rechner des Spar- und Darlehensvereins, Johann Dewes, beginnend wurden die Geschäfte nachher von seinem Sohn Jakob Dewes ("Kasse Jakob") und nach dessen ausscheiden vom Enkel Raimund Dewes ("Kasse Raimund") geführt. Der erste Aufsichtsratsvorsitzende des damaligen Vereins war der Stellmacher Peter Bard, sein Sohn Johann Bard, später dann sein Enkel Eduard Bard sind ebenfalls in der Liste der Aufsichtsräte zu finden. Heute ist Urenkel Egbert Bard Mitglied im amtierenden Aufsichtsrat.


 
Letzte Änderung: 31. Mai 2002
 

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25. Juli 2008